85 % der Unternehmen ohne KI nennen laut Bitkom fehlendes Umsetzungs-Know-how als größtes Hindernis. Die naheliegende Konsequenz: Man holt sich einen Partner. Das Angebot ist groß – vom Ein-Personen-Prompting-Coach über die Digitalagentur bis zum Systemhaus, das neuerdings „KI" im Namen trägt.
Wie trennt man die, die es können, von denen, die es gerade lernen? Hier sind neun Fragen, die sich in Gesprächen bewährt haben. Keine davon ist eine Fangfrage – aber die Antworten sagen viel.
Zur Erfahrung
1. „Welche KI-Lösungen laufen bei Kunden produktiv – nicht als Pilot?"
Pilotprojekte kann fast jeder. Die schwierigen Themen (Berechtigungen, Datenqualität, Fehlerfälle, Akzeptanz) zeigen sich erst im Betrieb. Fragt nach konkreten Prozessen und nach der Laufzeit.
2. „Wer genau arbeitet an unserem Projekt – und wie lange schon zusammen?"
Ein eingespieltes Team mit Erfahrung in KI und Unternehmenssoftware ist etwas anderes als ein Einzelberater plus Freelancer-Netzwerk. Beides kann funktionieren, aber ihr solltet wissen, was ihr bekommt.
3. „Was war euer letztes gescheitertes KI-Projekt – und warum?"
Wer hier keine Antwort hat, hat entweder wenig gemacht oder ist nicht ehrlich. Gute Partner haben aus Fehlschlägen gelernt und erzählen davon.
Zu Recht und Datenschutz
4. „Wie ordnet ihr unseren Anwendungsfall nach EU AI Act ein?"
Die Antwort sollte konkret sein: Assistenz oder Hochrisiko? Welche Pflichten folgen daraus? Wer das pauschal mit „ist alles DSGVO-konform" beantwortet, hat die Frage nicht verstanden. Hintergrund: EU AI Act für den Mittelstand.
5. „Wo werden unsere Daten verarbeitet, und werden sie zum Training genutzt?"
Erwartbar ist eine klare Antwort mit Vertragsgrundlage – nicht „die großen Anbieter machen das nicht mehr". Wie wichtig das ist, zeigen Berichte dieser Woche, nach denen bei einem großen Anbieter externe Dienstleister Chatverläufe von Nutzern zur Modellverbesserung lesen.
6. „Sieht die KI mehr, als der jeweilige Mitarbeiter sehen darf?"
Die richtige Antwort ist nein – und der Partner sollte erklären können, wie das technisch sichergestellt ist.
Zur Zukunftsfähigkeit
7. „Was passiert, wenn wir das KI-Modell wechseln wollen?"
Modelle ändern sich im Monatstakt, Preise auch. Eine gute Architektur macht das Modell austauschbar. Wer eine Lösung fest an einen Anbieter kettet, verkauft euch das Risiko gleich mit.
8. „Funktioniert das nur mit einem bestimmten System – oder mit unserer ganzen Landschaft?"
Eine KI, die nur im ERP arbeitet, hilft nicht beim Prozess, der über ERP, DMS und E-Mail läuft. Fragt, wie weitere Systeme angebunden werden – und ob dafür offene Standards wie MCP genutzt werden. Mehr: Plattform statt Insel.
9. „Können wir oder unser bestehender IT-Partner das später selbst weiterentwickeln?"
Abhängigkeit ist bei KI besonders teuer, weil ihr ständig neue Anwendungsfälle haben werdet. Ein guter Partner befähigt euch und euren bestehenden Dienstleister, statt jedes Mal selbst gebucht werden zu müssen.
Eine Faustregel zum Schluss
Ein guter KI-Partner redet im ersten Gespräch mehr über eure Prozesse als über KI. Er sagt auch mal „das lohnt sich nicht" oder „dafür ist es zu früh". Und er stellt euch Fragen, die unbequem sind – über Datenqualität, Verantwortung und Betriebsrat.
Wer dagegen nach zehn Minuten eine Demo zeigt, die alles kann, verkauft eine Demo.
Ihr sucht einen Sparringspartner für eure KI-Pläne? Wir stellen uns diesen neun Fragen gern – und bringen ein erfahrenes KI-Team mit, das seit Jahren Unternehmenssoftware und KI zusammenbringt: office@avantgar.de
Welche Frage würdet ihr noch ergänzen – und welche Antwort hat euch bei einem Anbieter schon einmal stutzig gemacht?