Rund 450 Gäste, ausgebucht, kostenfrei: Das KI.Forum.NRW 2026, die Jahrestagung der Kompetenzplattform KI.NRW, fand am 22. September im Confex in Köln statt. Das Leitthema war diesmal ungewöhnlich präzise formuliert: „Unternehmertum im Kosmos der KI-Agenten: Wie gelingt die sichere Navigation zur vollständig datengetriebenen Company?"
Wir waren vor Ort. Hier ist, was hängen geblieben ist – und was davon für mittelständische Betriebe wirklich zählt.
Was sich beim Thema KI gerade verschiebt
Die Diskussion hat sich vom Modell weg zum Ablauf bewegt. Agentische Systeme sagen nicht mehr nur etwas vorher oder formulieren einen Text, sie greifen auf Informationsquellen zu, führen Schritte aus und erzeugen Ergebnisse: eine fertige Webseite, eine Anwendung, ein gebuchter Vorgang.
NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur brachte die Haltung des Landes auf den Punkt: NRW wolle KI nicht beobachten, sondern gestalten. Für die Praxis sorgten Beiträge von n8n, sipgate, BMW, Deutsche Telekom und Carglass, auf der Forschungsseite waren Fraunhofer IAIS und die RWTH Aachen vertreten.
Der Satz, der am meisten diskutiert wurde
Dr. Christian Temath (Geschäftsführer KI.NRW) forderte Leitplanken und machte die menschliche Kontrolle ausdrücklich zur Managementaufgabe – mit einem Hinweis, der den Mittelstand direkt betrifft: Kleinere Unternehmen haben eine geringere Fehlertoleranz. Ein Konzern verkraftet einen fehlerhaft automatisierten Vorgang. Ein Betrieb mit 80 Beschäftigten und drei Großkunden möglicherweise nicht.
Das ist kein Argument gegen Agenten. Es ist ein Argument für Freigabeketten.
Die drei Ebenen, die zusammen funktionieren müssen
Ein Ergebnis, das sich durch mehrere Beiträge zog: Agentische KI scheitert selten an der Technik allein. Es braucht parallel:
- Technische Architektur – Schnittstellen, Datenflüsse, Absicherung. Wo darf der Agent lesen, wo schreiben, wo gar nicht hin?
- Organisatorische Governance – Rollen, Verantwortlichkeiten, Freigaben. Wer verantwortet ein Ergebnis, das niemand einzeln geprüft hat?
- Qualifizierung – und zwar dauerhaft, nicht als einmalige Schulung.
Besonders der dritte Punkt wurde schärfer formuliert als üblich: AI Literacy sei kein HR-Thema, sondern eine Frage der Betriebsfähigkeit. Mitarbeitende müssen Anforderungen präzise formulieren und Ergebnisse beurteilen können. Wer nur das erste kann, produziert schnell viel Unbrauchbares.
Mittelstand ohne eigene Entwicklungsabteilung
Interessant war die Session von n8n und der Telekom: Agenten für Buchhaltung, Projektmanagement oder Marketing – angeboten inklusive Lizenz, Einführung und Schulung, damit Betriebe ohne eigene Entwicklungsressourcen starten können.
Genau hier liegt aus unserer Sicht die Wegmarke. Die Frage ist nicht mehr, ob ein Mittelständler Agenten einsetzen kann, sondern über welchen Weg: als fertiges Produkt, als konfiguriertes Framework oder als Eigenbau. Wir haben das ausführlich gegenübergestellt: Microsoft Copilot, Claude oder eigenes Framework – was wann besser passt
Unsere vier Mitnahmen für Betriebe
1. Schreibrechte sind die eigentliche Grenze. Lesender Zugriff ist ein Komfortthema, schreibender Zugriff ist eine Grundsatzentscheidung. → Governance für agentische KI
2. Fangt bei einem Ablauf an, nicht bei einem Werkzeug. Ein Agent ohne definierten Prozess erzeugt nur schnelleren Leerlauf.
3. Qualifizierung gehört ins Projekt, nicht danach. Sonst prüft am Ende niemand die Ergebnisse, die der Agent liefert.
4. Ihr müsst das nicht allein stemmen. NRW hat dafür ein ungewöhnlich dichtes Angebot – von kostenfreier Beratung bis zu Zuschüssen. → KI-Förderung in NRW 2026 und Die kostenfreien Angebote von KI.NRW
Wo ihr die Inhalte findet
Die Kompetenzplattform dokumentiert ihre Tagungen unter kiforum.nrw beziehungsweise ki.nrw. Wer Anschluss ans Ökosystem sucht: Die KI.Landkarte listet KI-Anbieter und -Forschung in NRW – wir sind dort ebenfalls eingetragen. → KI-Landkarte NRW
Ihr wart auch da oder plant einen Agenten-Einsatz? Schreibt es gern in die Kommentare – oder direkt an office@avantgar.de.
Welche Session war für euch die wichtigste, und was nehmt ihr konkret mit?